Zur Geschichte der
Einsatzzentrale
Kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs machte man sich bei
der Kantonspolizei Basel-Stadt Gedanken darüber, wie
die Patrouillenfahrzeuge mit Funk ausgerüstet werden könnten. Als Berater
wurde von der Universität Basel Herr Professor Zickendraht, ein Pionier auf
dem Gebiete der drahtlosen Übertragung, beigezogen. Von der damaligen
Radiofirma Strittmatter wurden der Polizei Funkgeräte aus Surplusbeständen
der Alliierten angeboten. Auch die Firma Autophon in Solothurn erfuhr von
den Absichten der Basler Polizei und offerierte ein komplettes, in der
Schweiz entwickeltes und fabriziertes Funksystem für das
10-Meter-Kurzwellenband. Auf Anraten von Herrn Prof. Zickedraht entschied
man sich für die Funkanlage der Fa. Autophon.
Etwa zur gleichen Zeit entstand auch ein
gesamtschweizerisches Polizeifunknetz auf Kurzwelle, mit dem zwischen den
Regionalen Einsatzzentralen von Basel, Bern, Zürich, Genf. Lausanne und St.
Gallen Fahndungsmeldungen übermittelt werden sollten. Zu diesem
Zweck schaffte man zuerst einen Kurzwellensender aus Wehrmachtsbeständen
sowie eine Amerikanische Empfangsanlage (RME) an, wobei der Sender schon
bald durch einen damals sehr modernen 300-Watt-Kurzwellensender
der Fa. Autophon ersetzt wurde.
Die Funkanlage für den Wagenfunk wurde etwa 1965 durch eine
neue, damals sehr moderne Anlage ersetzt.
(70-cm-Band). Bald darauf rüstete man auch die Polizeiposten
mit Funkgeräten SE18 (2-Meterband) der Fa. Autophon aus. Diese Geräte wurden
mit einer passenden Halterung über die Schultern gehängt und waren mit einer
ca. 1 Meter langen Antenne und mit einem über ein ebenso langes Gummikabel
angeschlossenes Mikrotel versehen.
Als mit dem Spiegelhof und den Polizeiposten noch keine
Funkverbindung existierte, behalf man sich damit, dass sich die Polizisten
die sich auf Fusspatrouillen befanden jeweils von den
noch in allen Quartieren installierten öffentlichen Feuermeldern aus,
telefonisch auf der
Einsatzzentrale meldeten und auf diesem Wege
allfällige Requisitionen entgegennahmen. Nach dem Öffnen der Feuermeldertüre
musste zuerst ein kleiner Hebel betätigt werden, um von der Zentrale der
Feuerwehr auf die der Polizei umzuschalten, was gelegentlich vergessen
wurde, worauf prompt die Feuerwehr am Ort erschien.....
Um das Jahr 1972 wurden die sog. PCQ-Sendungen auf Kurzwelle
eingestellt, weil mancherorts keine Mitarbeiter mehr
zu finden waren, die die Morsetelegrafie
beherrschten. Es wurde darauf auf Telex (Fernschreiber) umgestellt. Während
vieler Jahre ratterten nun die Siemens-Ferschreibapparate mit ihren
Lochstreifensendern. Im Übermittlungsraum unserer EZ standen vier dieser
Maschinen und verbreiteten einen enormen Lärm. Erst in den neunziger Jahren
wurden die mechanischen Fernschreiber gegen elektronische mit
Monochrom-Bildschirmen ausgetauscht.
Schliesslich ging auch dieses Kapitel zu Ende und hat
computergestützten Mail-Systemen Platz gemacht. Inzwischen war auch die
Wagenfunkanlage ersetzt und gegen eine Anlage mit Sprachverschlüsselung
(Crypto) ersetzt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für technisch
begabte Leute ein Leichtes, den Polizeifunk abzuhören. Nun sind die
Funkgespräche vor unerwünschten Lauschern sicher – es gibt keine Möglichkeit
mehr den Funk abzuhören, auch mit dem grössten
technischen Aufwand nicht.
Der
damalige Einsatzleiter, Kommissar Fritz Steinmann übermittelt mit der
Morsetaste über Kurzwelle eine sog. PCQ-Meldung. Empfänger waren die
Regionalen Zentralen in Bern, Zürich, Luzern, St. Gallen, Lausanne und Genf.
Die von diesen
Stellen ausgesendeten PCQ-Meldungen wurden auch in Morsetelegrafie empfangen
und während der Durchgabe vom jeweiligen Operateur direkt mit der
Schreibmaschine zu Papier gebracht, was natürlich die vollkommene
Beherrschung der Morsetelegrafie voraussetzte. Man beachte, dass die
Morsetelegrafie eine rein digitale Uebermittlungsart war; das Morsealphabet
besteht nur aus Punkten und Strichen.
Der
Einsatzleiter, auf diesem Bild Kommissar Diriwächter, an seinem
Arbeitsplatz. Nebst dem Wagenfunk, der Anfangs über das 10-Meter-Band,
später über das 70-cm-Band abgewickelt wurde, war auch die Steuerung der
damals noch spärlich vorhandenen Verkehrsampeln in diesen Raum integriert.
Normalerweise lief die Steuerung dieser Anlagen automatisch ab, konnte aber
von hier aus auch manuell gesteuert werden. Die Telefonisten der
Einsatzzentrale, die u.A. die Notrufnummer 117 bedienten, hatten in diesem
Raum nichts zu suchen und arbeiteten im Raum nebenan.
Die
im Text erwähnten, nicht gerade "flüsterleisen" Fernschreibapparate auf der
damaligen EZ. Das "Speichermedium" bestand aus einem auf dem nebenstehenden
Bild gut sichtbaren Papierstreifen, auf dem der Text mithilfe eines
5-Loch-Codes eingestanzt wurde. Für die Weiterleitung der empfangenen
Meldungen waren die Telexmaschinen mit einem Lochstreifenleser ausgestattet.
Meist ratterten diese Maschinen vom frühen Morgen bis in
die späte Nacht hinein ununterbrochen. Sie wurden später durch IBM-Rechner
mit kleinen grünen Monochrombildschirmen ersetzt.
Das
Alarmpikett beim Ausrücken aus dem
Spiegelhof. Auf der Strasse
musste nochmals kurz angehalten werden, um die über drei Meter lange
Funkantenne auszuziehen. Nach der Umstellung der Funkanlage vom 10-Meter zum
70-cm-Band, bestand dieses Problem jedoch nicht mehr, denn die Antenne des
neuen Funksystems hatte nur noch eine Länge von ca. 12 cm.
In diesem Fahrzeug war noch eine Funkanlage (Autophon)
mit einem Gewicht von über 20 Kg eingebaut und noch vollständig mit
Radioröhren bestückt. Wegen dem enorm hohen Stromverbrauch konnte die
Funkanlage praktisch nur während der Fahrt benützt werden, da sonst die
Batteriespannung schnell zusammengebrochen wäre.
Blick ins Innere des damaligen Pikettwagens der
Unfallgruppe.
Links auf dem Bild sieht man Bedienteil und Mikrotel der
Funkanlage.
Der Sender und der Empfänger, die noch aus getrennten
Einheiten bestanden, befanden sich nebst einer zusätzlichen Batterie, im
Kofferraum des Fahrzeugs.
Der
Feuermelder, wie er früher in allen Quartieren Basels anzutreffen war,
diente einerseits der Bevölkerung zur Alarmierung der Feuerwehr, (viele
Haushalte waren damals noch nicht mit einem Telefonanschluss ausgerüstet)
andererseits war er aber auch ein statisches Kommunikationsgerät für die
Polizei. Bei Feuer konnte man die Glasscheibe auf der hier geöffnet
gezeigten Türe einschlagen und musste dann einen Knopf drücken. Darauf
ertönte eine laute, mit einem Uhrwerk betriebene Glocke, der obere Teil der
zweiteiligen Türe öffnete sich und gab den Telefonhörer frei. Wenn man den
Hörer von der Gabel nahm. wurde man sofort automatisch mit der Zentrale der
Feuerwache verbunden und konnte so die Brandmeldung oder den Hilferuf
absetzen.
Der im Quartier patrouillernde Polizist war im Besitze
eines sog. Feuermelderschlüssels, mit dem er die Türe öffnen konnte, ohne
jedes mal die Scheibe einschlagen zu müssen. Er hatte sich sporadisch auf
der Einsatzzentrale zu melden, um allfällige "Requisitionen"
entgegenzunehmen (Es gab ja noch keine tragbaren Funkgeräte, geschweige denn
so etwas wie ein Natel...). Bevor er nun aber mit der EZ Verbindung
aufnehmen konnte, musste er den auf dem Bild sichtbaren und mit einem
grossen "A" gekennzeichneten Hebel umlegen und dann auf den Knopf drücken,
worauf sich die Einsatzzentrale im Spiegelhof am Telefon meldete. Es soll
mehr als einmal vorgekommen sein, dass dieser ominöse Hebel "A" übersehen
und der Knopf vom Polizisten direkt gedrückt wurde. Wahrscheinlich hatte der
betreffende Polizist darauf über das Ausrücken der Feuerwache Rapport zu
erstatten.......
Ein
Vorgänger des Alarmpiketts war der so genannte "Jagdwagen" von 1937.
(DKW)
Funk war damals in den Polizeifahrzeugen noch ein
Fremdwort.
Und weil auch das Martinshorn erst später erfunden wurde,
musste man sich zu helfen wissen und in der Polizeigarage im Spiegelhof
wusste man sich zu helfen........
.........und
versah den "Jagdwagen" von 1937 kurzerhand mit zwei - wie es damals hiess -
"ganz neu entwickelten Lautsprechern".
Ob man damit auch Durchsagen machen oder einfach Lärm
erzeugen konnte, ist nicht überliefert.
Mit
Hilfe dieses Apparates wurden die Morsesignale auf einen Papierstreifen
geschrieben und konnten danach in Ruhe entziffert werden. Ein geübter
Telegrafist schrieb die empfangenen Signale aber in der Regel direkt in die
Schreibmaschine.
Basler
Harschierer, ein Vorläufer des heutigen Polizisten, anlässlich einer
Personenkontrolle (um 1790)
Er wusste noch nichts von Funk, Computern, Natel,
Polizeiautos mit Blaulicht und Horn oder von Autobahnen. Ob er wohl schon so
etwas wie Stress kannte.......
Damit möchte ich meinen kurzen Abriss über die
Geschichte, die Mittel und Einrichtungen der Polizei-Einsatzzentrale
abschliessen. Ich hoffe, Sie hatten Spass beim durchlesen.
Armin Studer, ex Wachtmeister 1