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die Einsatzzentrale

Bis Ende März 2004 arbeitete ich auf der Einsatzzentrale (EZ) der Basler Polizei. Es war ein hochinteressanter Job und ich konnte mich immer auf meine geschätzten Mitarbeiter verlassen. Auf dieser Seite zeige ich einerseits ein paar Bilder meiner früheren Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz, andererseits berichte ich etwas über die Geschichte dieser, einem steten Wandel unterzogenen Einrichtung. Ich erlebte in meiner 30-jährigen Tätigkeit auf der EZ eine gewaltige technische Entwicklung auf dem Gebiet der Übermittlung und der Einsatzleitung. Während man vor 30 Jahren noch mit Morsetaste, Papier und Bleistift auskam, arbeiten die Mitarbeiter heute mit einem sehr komplexen Einsatzleitsystem und dem ganzen Spektrum der digitalen Datenverarbeitung und Datenübermittlung. Die Arbeit ist dadurch nicht einfacher geworden, ganz im Gegenteil. Das Einsatzleitsystem kann zwar zu einer Vielzahl von Fällen automatische Lösungsvorschläge generieren, kann aber dem Einsatzleiter die Verantwortung und die Fähigkeit, in kürzester Zeit Entscheidungen von oftmals grosser Tragweite, nicht abnehmen. Von den Mitarbeitern wird ein hohes Mass an Wissen und die Fähigkeit zu mehrgleisigem Denken verlangt.
 
        
     

   oben: Die Einsatzzentrale heute.

   unten: Die Einsatzzentrale 1991.

  

  

 

 

Zur Geschichte der Einsatzzentrale    

Kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs machte man sich bei der Kantonspolizei Basel-Stadt Gedanken darüber, wie die Patrouillenfahrzeuge mit Funk ausgerüstet werden könnten.  Als Berater wurde von der Universität Basel Herr Professor Zickendraht, ein Pionier auf dem Gebiete der drahtlosen Übertragung, beigezogen.  Von der damaligen Radiofirma Strittmatter wurden der Polizei Funkgeräte aus Surplusbeständen der Alliierten angeboten. Auch die Firma Autophon in Solothurn erfuhr von den Absichten der Basler Polizei und offerierte ein komplettes, in der Schweiz entwickeltes und fabriziertes Funksystem für das 10-Meter-Kurzwellenband. Auf Anraten von Herrn Prof. Zickedraht entschied man sich für die Funkanlage der Fa. Autophon.

Etwa zur gleichen Zeit  entstand auch ein gesamtschweizerisches Polizeifunknetz auf Kurzwelle, mit dem zwischen den Regionalen Einsatzzentralen von Basel, Bern, Zürich, Genf. Lausanne und St. Gallen Fahndungsmeldungen übermittelt werden sollten. Zu diesem    Zweck schaffte man zuerst einen Kurzwellensender aus Wehrmachtsbeständen sowie eine Amerikanische Empfangsanlage (RME) an, wobei der Sender schon bald durch einen damals sehr modernen 300-Watt-Kurzwellensender der Fa. Autophon ersetzt wurde.

Die Funkanlage für den Wagenfunk wurde etwa 1965 durch eine neue, damals sehr moderne Anlage ersetzt. (70-cm-Band). Bald darauf rüstete man auch die Polizeiposten mit Funkgeräten SE18 (2-Meterband) der Fa. Autophon aus. Diese Geräte wurden mit einer passenden Halterung über die Schultern gehängt und waren mit einer ca. 1 Meter langen Antenne und mit einem über ein ebenso langes Gummikabel angeschlossenes Mikrotel versehen.

Als mit dem Spiegelhof und den Polizeiposten noch keine Funkverbindung existierte, behalf man sich damit, dass sich die Polizisten  die sich auf Fusspatrouillen befanden jeweils von den noch in allen Quartieren installierten öffentlichen Feuermeldern aus, telefonisch auf der Einsatzzentrale meldeten und auf diesem Wege allfällige Requisitionen entgegennahmen. Nach dem Öffnen der Feuermeldertüre musste zuerst ein kleiner Hebel betätigt werden,  um von der Zentrale der Feuerwehr auf die der Polizei umzuschalten, was gelegentlich vergessen wurde, worauf prompt die Feuerwehr am Ort erschien.....

Um das Jahr 1972 wurden die sog. PCQ-Sendungen auf Kurzwelle eingestellt, weil mancherorts keine Mitarbeiter mehr  zu finden waren, die die Morsetelegrafie beherrschten. Es wurde darauf auf Telex (Fernschreiber) umgestellt. Während vieler Jahre ratterten nun die Siemens-Ferschreibapparate mit ihren Lochstreifensendern. Im Übermittlungsraum unserer EZ standen vier dieser Maschinen und verbreiteten einen enormen Lärm. Erst in den neunziger Jahren wurden die mechanischen Fernschreiber gegen elektronische mit Monochrom-Bildschirmen ausgetauscht.

Schliesslich ging auch dieses Kapitel zu Ende und hat computergestützten Mail-Systemen Platz gemacht. Inzwischen war auch die Wagenfunkanlage ersetzt und gegen eine Anlage mit Sprachverschlüsselung (Crypto) ersetzt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für technisch begabte Leute ein Leichtes, den Polizeifunk abzuhören. Nun sind die Funkgespräche vor unerwünschten Lauschern sicher – es gibt keine Möglichkeit mehr den Funk abzuhören, auch mit dem grössten technischen Aufwand nicht.

Der damalige Einsatzleiter, Kommissar Fritz Steinmann übermittelt mit der Morsetaste über Kurzwelle eine sog. PCQ-Meldung. Empfänger waren die Regionalen Zentralen in Bern, Zürich, Luzern, St. Gallen, Lausanne und Genf.

Die von diesen Stellen ausgesendeten PCQ-Meldungen wurden auch in Morsetelegrafie empfangen und während der Durchgabe vom jeweiligen Operateur direkt mit der Schreibmaschine zu Papier gebracht, was natürlich die vollkommene Beherrschung der Morsetelegrafie voraussetzte. Man beachte, dass die Morsetelegrafie eine rein digitale Uebermittlungsart war; das Morsealphabet besteht nur aus Punkten und Strichen.

 Der Einsatzleiter, auf diesem Bild Kommissar Diriwächter, an seinem Arbeitsplatz. Nebst dem Wagenfunk, der Anfangs über das 10-Meter-Band, später über das 70-cm-Band abgewickelt wurde, war auch die Steuerung der damals noch spärlich vorhandenen Verkehrsampeln in diesen Raum integriert. Normalerweise lief die Steuerung dieser Anlagen automatisch ab, konnte aber von hier aus auch manuell gesteuert werden. Die Telefonisten der Einsatzzentrale, die u.A. die Notrufnummer 117 bedienten, hatten in diesem Raum nichts zu suchen und arbeiteten im Raum nebenan.

 

 

  Die im Text erwähnten, nicht gerade "flüsterleisen" Fernschreibapparate auf der damaligen EZ. Das "Speichermedium" bestand aus einem auf dem nebenstehenden Bild gut sichtbaren Papierstreifen, auf dem der Text mithilfe eines 5-Loch-Codes eingestanzt wurde. Für die Weiterleitung der empfangenen Meldungen waren die Telexmaschinen mit einem Lochstreifenleser ausgestattet.

Meist ratterten diese Maschinen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein ununterbrochen. Sie wurden später durch IBM-Rechner mit kleinen grünen Monochrombildschirmen ersetzt.

 Das Alarmpikett beim Ausrücken aus dem Spiegelhof. Auf der Strasse musste nochmals kurz angehalten werden, um die über drei Meter lange Funkantenne auszuziehen. Nach der Umstellung der Funkanlage vom 10-Meter zum 70-cm-Band, bestand dieses Problem jedoch nicht mehr, denn die Antenne des neuen Funksystems hatte nur noch eine Länge von ca. 12 cm.

In diesem Fahrzeug war noch eine Funkanlage (Autophon) mit einem Gewicht von über 20 Kg eingebaut und noch vollständig mit Radioröhren bestückt. Wegen dem enorm hohen Stromverbrauch konnte die Funkanlage praktisch nur während der Fahrt benützt werden, da sonst die Batteriespannung schnell zusammengebrochen wäre.

 

 Blick ins Innere des damaligen Pikettwagens der Unfallgruppe.

Links auf dem Bild sieht man Bedienteil und Mikrotel der Funkanlage.

Der Sender und der Empfänger, die noch aus getrennten Einheiten bestanden, befanden sich nebst einer zusätzlichen Batterie, im Kofferraum des Fahrzeugs.

 

 

  

Der Feuermelder, wie er früher in allen Quartieren Basels anzutreffen war, diente einerseits der Bevölkerung zur Alarmierung der Feuerwehr, (viele Haushalte waren damals noch nicht  mit einem Telefonanschluss ausgerüstet) andererseits war er aber auch ein statisches Kommunikationsgerät für die Polizei. Bei Feuer konnte man die Glasscheibe auf der hier geöffnet gezeigten Türe einschlagen und musste dann einen Knopf drücken. Darauf ertönte eine laute, mit einem Uhrwerk betriebene Glocke, der obere Teil der zweiteiligen Türe öffnete sich und gab den Telefonhörer frei. Wenn man den Hörer von der Gabel nahm. wurde man sofort automatisch mit der Zentrale der Feuerwache verbunden und konnte so die Brandmeldung oder den Hilferuf absetzen.

Der im Quartier patrouillernde Polizist war im Besitze eines sog. Feuermelderschlüssels, mit dem er die Türe öffnen konnte, ohne jedes mal die Scheibe einschlagen zu müssen. Er hatte sich sporadisch auf der Einsatzzentrale zu melden, um allfällige "Requisitionen" entgegenzunehmen (Es gab ja noch keine tragbaren Funkgeräte, geschweige denn so etwas wie ein Natel...). Bevor er nun aber mit der EZ Verbindung aufnehmen konnte, musste er den auf dem Bild sichtbaren und mit einem grossen "A" gekennzeichneten Hebel umlegen und dann auf den Knopf drücken, worauf sich die Einsatzzentrale im Spiegelhof am Telefon meldete. Es soll mehr als einmal vorgekommen sein, dass dieser ominöse Hebel "A" übersehen und der Knopf vom Polizisten direkt gedrückt wurde. Wahrscheinlich hatte der betreffende Polizist darauf über das Ausrücken der Feuerwache Rapport zu erstatten.......

Ein Vorgänger des Alarmpiketts war der so genannte "Jagdwagen" von 1937. (DKW)

Funk war damals in den Polizeifahrzeugen noch ein Fremdwort.

Und weil auch das Martinshorn erst später erfunden wurde, musste man sich zu helfen wissen und in der Polizeigarage im Spiegelhof wusste man sich zu helfen........

 .........und versah den "Jagdwagen" von 1937 kurzerhand mit zwei - wie es damals hiess - "ganz neu entwickelten Lautsprechern".

Ob man damit auch Durchsagen machen oder einfach Lärm erzeugen konnte, ist nicht überliefert.

 

 

 

 

 

Mit Hilfe dieses Apparates wurden die Morsesignale auf einen Papierstreifen geschrieben und konnten danach in Ruhe entziffert werden. Ein geübter Telegrafist schrieb die empfangenen Signale aber in der Regel direkt in die Schreibmaschine.

 

 

 

Basler Harschierer, ein Vorläufer des heutigen Polizisten, anlässlich einer Personenkontrolle (um 1790)

Er wusste noch nichts von Funk, Computern,  Natel, Polizeiautos mit Blaulicht und Horn oder von Autobahnen. Ob er wohl schon so etwas wie Stress kannte.......

 

 

 

 

 

Damit möchte ich meinen kurzen Abriss über die Geschichte, die Mittel und Einrichtungen der Polizei-Einsatzzentrale abschliessen. Ich hoffe, Sie hatten Spass beim durchlesen.

Armin Studer, ex Wachtmeister 1